brügge - Natur, Ruhe, Stille

Introversion, Schüchternheit, Hochsensibilität ist das nicht alles das Gleiche? Viele Begriffe, die oft in einen Topf geworfen werden und zwischen denen nicht wirklich unterschieden wird. Oft genug wird introvertiert und schüchtern synonym verwendet. Aber halt! Da gibt es einen großen Unterschied. Denn Introversion ist eine Charaktereigenschaft, die angeboren ist, wohingegen Schüchternheit ein Verhalten ist, das man sich antrainiert hat – z.B. durch schlechte Erfahrungen, die man (meistens in der Kindheit) immer wieder gemacht hat oder wenn man das Gefühl hat, keine Unterstützung zu bekommen. Die Folgen sind ein zerstörtes Selbstwertgefühl und kaum vorhandenes Selbstvertrauen. Glücklicherweise kann man sich Schüchternheit auch wieder abtrainieren.

Was sind die Unterschiede?

  • Eine schüchterne Person hat Angst davor, was andere Menschen von ihr denken könnten, sie hat oft die Befürchtung, sich lächerlich zu machen. Oft leiden sie sogar darunter, nicht auf Menschen zugehen zu können.
  • Eine introvertierte Person hat keine Angst vor Zurückweisung. Sie beobachtet gerne und macht sich erst mal ein Bild von der Situation. Sie genießt die Stille und das Alleinsein, um ihre Batterien wieder aufzuladen.

Natürlich ist das Eine nicht immer so leicht vom Anderen zu trennen und es gibt meistens Mischformen.
Ich bin z.B. eher introvertiert, ziehe meine Energie aus der Ruhe. Früher war ich auch extrem schüchtern. Seitdem ich jedoch weiß, dass ich mir dieses Verhalten durch Imitation usw. antrainiert habe, versuche ich es wieder abzulegen.
Natürlich passiert es mir ab und zu, dass ich wieder in Schüchternheit zurückfalle, aber ich erkenne die Situationen und kann (jetzt) versuchen, daran arbeiten.

Auch Melina von Vanilla Mind hat bereits über die beiden Begriffe geschrieben.

brügge - Natur, Ruhe, Stille

Um noch eins draufzusetzten ist da ja auch noch die Hochsensibilität.

Hochsensible Menschen, vor allem die eher introvertierten, sind Beobachter. In einer neuen Situation wird zuerst die Lage geprüft: Was sind das für Menschen im Raum? Wie ist die Stimmung? Drohen mir »Gefahren«?
Sie haben oft ein gutes Gespür und merken schnell, wenn eine Person nicht authentisch ist. Hochsensible nehmen ihre Umgebung intensiver, detaillierter und facettenreicher wahr als andere Menschen. Sie können das allgegenwärtige »Hintergrundrauschen«, also die Sinnesreize, die die meisten Menschen als »unwichtig« ausblenden können, nicht herausfiltern und nehmen alles als »wichtig« war, was zu einer Reizüberflutung führt.
Sie drehen das Radio leiser, sie flüchten, wenn es auf Partys zu voll wird, sie brauchen viel Ruhe und sind ebenso wie introvertierte Personen gerne alleine und brauchen Zeit, um neue Situationen richtig einschätzen zu können.
Etwa 15-20 Prozent jeder Art (auch Tiere) reagieren empfindlicher auf Sinnesreize als der Rest.
Hochsensibilität ist keine Einbildung, sondern eine nachgewiesene Besonderheit des Nervensystems, in dem Sinne, dass es besonders leicht erregbar ist.

Sind alle Hochsensiblen introvertiert?
Nein, 70% der Hochsensiblen sind introvertiert, die übrigen 30% eher extrovertiert.

Sind alle Hochsensiblen gleich?
Nein. Das ist so unterschiedlich, wie jeder Mensch unterschiedlich ist. Schon alleine durch die oben beschriebenen Prozentsatz introvertiert vs. extrovertiert erkennt man den Unterschied.

Jeder Mensch ist ein Individuum und so gibt es auch bei Hochsensibilität ganz verschiedene Schwerpunkte.

Und das kann ich nur bestätigen. Ich fühle die Stimmung im Raum und kann nicht unterscheiden, ob ich jetzt schlecht gelaunt bin oder der Mensch, der mir gegenüber ist.  Ich kann Krach nur eine Weile aushalten und muss dann weggehen. Ich habe die Leute immer bewundert, die erst Small Talk halten und dann die intensiven Gespräche führen. Bei mir ist es eher umgekehrt. Ich muss erst mehr über mein Gegenüber erfahren (drohen mir Gefahren? ;-)) und werde erst lockerer und kann Small Talk führen.

Allerdings habe  ich auch schon hochsensible Personen kennengelernt, die anders ticken, und bei denen andere Bereiche intensiver ausgeprägt sind als bei mir.

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Vor- und Nachteile:

Ich empfinde die Hochsensibilität in unserer heutigen Welt eher als Nachteil. Hochsensible und introvertierte Personen brauchen Zeit, um sich auf andere Personen einzulassen, sie sind nicht immer und für viele Stunden einsatzbereit. Sie brauchen viel Ruhe und Zeit für sich alleine.

Hochsensible Personen sind gerne ihr eigener Boss und können nicht gut in Großraumbüros arbeiten, weil sie durch Reizüberflutung zu schnell überfordert sind.

Allerdings können sie sich gut auf eine Person einlassen, ihre Gespräche bleiben nicht an der Oberfläche, sie sind vielseitig interessiert und sind definitiv gute Zuhörer.

Wer mehr über Hochsensibilität in der Selbstständigkeit erfahren möchte, der kann hier meine Rezension nachlesen.

Ich hoffe, ich kann dem Einen oder Anderen durch diesen Artikel helfen, so wie auch ich erst durch die Unterscheidung dieser Begriffe ein bisschen mehr über mich selber gelernt habe.

Introversion, Schüchternheit, Hochsensibilität - verenamuenstermann.de

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